Das Gendern vor lauter Gendersternen nicht mehr sehen

Genderstern, Sprechpause und generisches Maskulinum: Klingt alles viel komplizierter, als es eigentlich ist. Gendern im Alltag ist nämlich ganz einfach möglich. Und auch ohne Genderstern. Die folgenden Empfehlungen geben dir Orientierung.

Regelmässig melden sich Bekannte bei mir, um leicht peinlich berührt zu fragen, ob ich ihnen erklären könne, wie sie im Alltag diesen Genderstern denn nun korrekt einsetzen sollen.

«Ich finde gendern wichtig, aber ich weiss gar nicht, wie ich das selber richtig machen soll. Darum lasse ich es lieber bleiben.»

Viele haben Angst, etwas falsch zu machen und anzuecken. Entweder bei Menschen, die gendern unnötig finden oder bei Menschen, die durch eine falsche Verwendung ausgeschlossen werden.

Die folgenden Empfehlungen sollen dir den Durchblick im «Genderdschungel» ermöglichen und Sicherheit geben. Damit Gendern auch in deinem Alltag ganz einfach und selbstverständlich wird.

Was gendern wir und was nicht?

Wenn ein Wort Menschen oder eine Gruppe von Menschen beschreibt, und deren Geschlecht unbekannt oder unterschiedlich ist, gendern wir.

Beispiel: Das Forscherteam bleibt das Forscherteam, wenn dieses nur aus Männern besteht. Ist dies nicht der Fall oder unbekannt, gendern wie das Forscherteam bspw. als Forschungsteam.

Wenn Nomen oder Adjektive einen menschlichen Bestandteil enthalten, aber eine Sache bezeichnen, bemühen wir uns um eine neutrale Alternative, insofern diese einfach verständlich bleibt.

Beispiel: Aus dem Kundendienst kann der Support werden, aus Fussgängerstreifen der Zebrastreifen, aus nutzerfreundlich einfach nutzungsfreundlich und aus fachmännisch wird fachkundig. Kund*innendienst oder Fussgänger*innenstreifen wäre jedoch sinnfrei, da Dienst und Streifen kein menschliches Geschlecht besitzen.

Ist der Genderstern * die beste und einzige Schreibweise?

Nein. Die beste ist eine Mischung aus verschiedenen Schreibweisen (→ nachfolgend die verschiedenen Möglichkeiten), da je nach Situation eine andere besser passt.

Gendern bedeutet nicht, möglichst viele Gendersterne in Texten zu platzieren. Sondern alle betroffenen Menschen zu inkludieren. Und das geht auch anders.

Einzig die verschiedenen Gender-Zeichen — Genderstern, Doppelpunkt etc. — solltest du im gleichen Text nicht mischen. Bei der Wahl des Gender-Zeichens bist du jedoch frei. Für Online-Texte und Screenreader eignen sich Genderstern * und Doppelpunkt : am besten. Sie werden am häufigsten benutzt und wirken für viele bereits alltäglich.

Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash

Gendern ohne Genderstern: So geht’s auch

  • Überbegriffe verwenden
    Team statt Kollegen
    Kundschaft statt Kunden
    Jury statt Juroren
    geschicktgendern.de verfügt über eine hilfreiche Datenbank
  • Verben substantivieren
    Tanzende statt Tänzer
    Besuchende statt Besucher
    Fleischverarbeitende statt Metzger
  • Tätigkeit statt Funktion nennen
    Leitung statt Leiter
    Aufsicht statt Aufseher
    Entwicklung statt Entwickler
    Produktion statt Produzent
  • Adjektiv mit Person/Mensch kombinieren
    anklagende Person statt Ankläger
    tanzende Menschen statt Tänzer
  • Relativsatz daraus machen
    Wer die Ausstellung besucht statt Besucher der Ausstellung
  • Genderstern einsetzen ( → nachfolgend mehr dazu)
    Terrorist*innen
    Täter*innen
    Kund*innen

Möglich, aber nicht vollständig inklusiv:

  • Paarform nutzen
    Malerin und Maler
    Terroristinnen und Terroristen
    Täter und Täterinnen
  • Geschlecht abwechseln
    Bäckerinnen und Konditoren
    Kindergärtner und Lehrerinnen
    Professorinnen und Studenten

Wieso sind Paarformen wie Sportler und Sportlerin oder Kurzformen wie Sportler/-in oder SportlerIn nicht optimal?

Wenn immer möglich, sind Schreibweisen zu bevorzugen, welche auch non-binäre Menschen ansprechen und nicht nur Männer und Frauen.

Beim Genderstern steht dieser für die geschlechtliche Vielfalt. Dies ist bei /-in nicht der Fall. Das Binnen-I wird zudem teils auch als generisches Femininum interpretiert.

Gendern ist quasi in deiner Sprache der Rollladen. Wenn du ihn ganz hochfährst, ist die Chance alle Menschen zu erreichen ungemein grösser, als wenn er unten bleibt oder nur aufgeklappt ist.

Photo by Micael Navarro on Unsplash

Wie verwende ich den Genderstern korrekt?

Es empfiehlt sich, den Genderstern nur in Mehrzahl zu verwenden, da es sonst grammatikalisch etwas holprig werden kann.

  • die Gärtner*innen statt die*der Gärtner*in
  • die Arbeit der Texter*innen statt die Arbeit des*der Texter*in

Wo wird der Stern genau platziert?

An der Stelle, an welcher sich das Wort von der männlichen zur weiblichen Form unterscheidet.

Was ist, wenn der Wortteil vor dem Genderstern nicht für beide Geschlechter gleich lautet?

Entweder

  1. weichst du auf eine alternative Schreibweise ( → siehe «Gendern ohne Genderstern») aus,
  2. ist es zwar grammatikalisch nicht einwandfrei, aber dennoch klar verständlich und du nutzt den Genderstern trotzdem
    Bäuer*in
    Kund*in
  3. oder du setzt den Genderstern zwischen die Paarform.
    Bauer*Bäuerin
    Kunde*Kundin

→ Das Textlabor von genderleicht.de hilft bei kniffligen Fällen gerne.

Wie spreche ich den Genderstern mündlich aus?

Eine Mini-Pause, der sogenannte Glottisschlag. Gut verständlich ist das Beispiel von Armin Wolf mit gleichlautenden Wörtern unterschiedlicher Bedeutung: Spiegel-Ei und Spiegelei.

Was mache ich mit englischen Personenbezeichnungen in deutschen Texten?

Ihr Ursprung auf Englisch ist meist geschlechtsneutral. In deutschen Texten wird jedoch oft ein Maskulinum daraus gemacht. Daher empfiehlt es sich, auch diese Wörter zu gendern.

  • Manager*in statt Manager
  • Designer*in statt Designer
  • Leader*in statt Leader
  • Rockgrösse statt Rockstar
  • Vorbild oder Superheld*in statt Superhero

Muss ich gendern?

Margarete Stokowski hat es in ihrem Artikel auf den Punkt gebracht:

«Es geht darum, sich Mühe zu geben, gerecht zu sein. Wenn man sich diese Mühe nicht machen will, dann soll man es eben lassen, aber dann sollte man auch einfach zugeben, dass man keinen Bock hat.»

Was Gendern wirklich bringt, hat Quarks wissenschaftlich und gut verständlich zusammengefasst:

Hello Jrene http://hellojrene.ch/
Hello Jrene schreibt Texte, die Menschen verstehen — hellojrene.ch

Unterstützt Privatpersonen und Unternehmen mit Taten und Worten und löffelt auch privat gerne die Buchstabensuppe aus. // www.hellojrene.ch

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